Projekt Wildbienenhotels 2007

Die meisten Menschen verbinden mit dem Begriff "Biene" hauptsächlich die Honigbiene des Imkers (Apis mellifera). Dabei stellt diese aber nur eine von weltweit 20.000 Bienenarten dar. Allein in Mitteleuropa sind rund 750 Arten beheimatet, davon etwa 550 in Deutschland. Hierzu gehören die Hummeln, die Maskenbienen, die Wollbienen, die Pelzbienen und viele andere, die als Abgrenzung zur "Nutzbiene" als Wildbienen bezeichnet werden. Die Honigbiene kann nur etwa 10-15% unserer heimischen Obstbäume bestäuben. Wildbienen sind daher ein unverzichtbarer Bestandteil eines intakten Naturhaushaltes. Sie produzieren zwar keinen Honig, haben aber aufgrund ihrer Artenvielfalt, ihrer Verbreitung von der Ebene bis in die Hochgebirge und ihrer Spezialisierung eine hohe Bedeutung für die Bestäubung von Wild- und Nutzpflanzen.

Die Bestände aller Wildbienenarten können langfristig nur gesichert werden, wenn diese außerhalb ihrer natürlicher Lebensräume gefördert werden. Schon mit einfachen Mitteln kann jeder Einzelne dafür einen wertvollen Beitrag leisten.

Vor diesem Hintergrund hat sich die Naturschutzgruppe Kaifenheim das Ziel gesteckt, einen Beitrag zum Schutz der Wildbienen und ihrer Lebensräume zu leisten. Hierzu wurde nun das Erste von insgesamt 3 Bienenhotels aufgestellt. Mit finanzieller Unterstützung eines Sponsors konnte das Material sowie die Montage des Rahmens bezahlt werden. In vielen Stunden freiwilliger Arbeit hat die Naturschutzgruppe Kaifenheim diese Bienenhotels fertiggestellt. Mit unterschiedlichem Nistmaterial befüllt, bieten sie vielen Wildbienen eine gute Nistmöglichkeit. Auf der Streuobstwiese im Bereich „Altenstall“ hat das erste Bienenhotel einen optimalen Platz gefunden. Hotel Nummer zwei steht am "Kolliger Weg", und das dritte Wildbienenhotel wurde an der Einfahrt zum alten Sportplatz aufgestellt.

Aufbau des 1. Wildbienenhotels

Material:

Das Bienenhotel besteht aus einem ca. 130 cm x 250 cm großen Holzrahmen. In diesen Holzrahmen werden unterschiedliche Materialien eingebaut, um den unterschiedlichen Ansprüchen möglichst vieler Wildbienenarten gerecht zu werden. Im unteren Bereich werden Ziegelsteine und Holzbeton gestapelt. Im oberen Bereich der Bienenhotels werden abgelagerte und unbehandelte Holzstücke aus Eiche und Buche eingebaut. Für Bewohner markhaltiger Stängel sind Bündel von z.B Holunder, Himbeeren, Beifuß und Rainfarn zwischen den Hölzern aufgeschichtet.

Niströhren:

In den Ziegelsteinen, Holzbeton und Holzstücken werden Niströhren angelegt. Eine Kombination von Niströhren mit unterschiedlichem Durchmesser ist günstig. Dabei sollten Bohrgänge mit einer Weite von 3-6 mm anteilsmäßig überwiegen (für detaillierte Angaben siehe auch unter “Schutzmaßnahmen”).

Wildbienenhotel

Standort:

Die Nistkästen sollten an einer sonnigen Stelle befestigt werden. Südost- bis südwestorientierte Orte eignen sich am besten. Die Nisthilfen dürfen nicht frei beweglich sein. Die gebohrten Gänge müssen waagerecht liegen und für die Tiere frei anzufliegen sein. Wichtig ist die Wahl eines regengeschützten Standortes oder das Anbringen eines Daches über dem Bienenhotel. Von großer Bedeutung für eine erfolgreiche Ansiedlung von Wildbienen ist das Vorhandensein von Nahrungspflanzen in der Nähe der Nistmöglichkeit. Ein reiches Angebot an heimischen, blühenden Arten fördert die Ansiedlung.

Wildbienenhotel

Zeitpunkt der Aufstellung:

Die Frühjahrsarten der Wildbienen fliegen bereits ab März. Bis in den Oktober nehmen jeweils unterschiedliche Arten die Nistmöglichkeit für wenige Wochen in Anspruch. Der beste Zeitpunkt für die Aufstellung eines Bienenhotels oder anderer Nistmöglichkeiten liegt im Winter, so dass ab Mitte März die ersten Arten einziehen können.

Schutzmaßnahmen:

Holzblöcke: Es werden Gänge von 5 bis 10 cm Tiefe und 2 bis 10 mm Durchmesser (Bohrweiten von 3 bis 6 mm sollten überwiegen) in unbehandeltes, abgelagertes und entrindetes Hartholz (z.B. Eiche, Buche, Esche) gebohrt. Dabei darf das Material nicht vollständig durchbohrt werden. Nach dem Bohren ist die Holzoberfläche zu schleifen, um evtl. querstehende Fasern zu entfernen und das Bohrmehl herauszuklopfen. Nadelholz ist ungeeignet, da sich dessen Fasern in den Röhren bei Feuchtigkeit wieder aufrichten. Wildbienen bevorzugen Röhren mit glatten Innenwandungen. Bei der Verwendung von Buchenholz sollte ein Mindestabstand von 2 cm zwischen den Bohrlöchern (mit einem Durchmesser größer 4 mm) eingehalten werden, damit es nicht zu Rissen kommt. Dadurch würde möglicherweise eine Ansiedlung verhindert. Bei der Aufstellung sollte auf eine waagrechte Orientierung der Gänge geachtet werden. Ziegel: Strangfalzziegel (erhältlich beim Dachdecker) werden in einer Trockenmauer untergebracht oder einfach aufeinander gestapelt.



Anbau von Nahrungspflanzen

Früher standen wildwachsenden Pflanzen im Siedlungsbereich mehr ungenutzte Flächen zur Verfügung. Durch fortschreitende Versiegelung und systematische Beseitigung von Wildpflanzen wurde das Nahrungsangebot für Wildbienen drastisch reduziert. Somit sollte die Schaffung von Nisthilfen im Rahmen des Wildbienenschutzes mit einer Förderung einer artenreichen Pflanzenwelt einhergehen. Dies schließt den Einsatz eingebürgerter Gewächse nicht aus, denn auch diese können sehr gute Nahrungsquellen für Wildbienen darstellen.



Wildbienenhotel

Bäume und Sträucher:

Nadelgehölze bieten Wildbienen keine Nahrung. An ihrer Stelle sollten einheimische Blütengehölze gepflanzt werden. An Obstbäumen und Beerensträuchern sammeln neben den Hummeln auch zahlreiche andere Wildbienen Nahrung und verrichten dabei wertvolle Bestäubungsdienste. Gute Nahrungsquellen sind z.B. Weißdorn (Crataegus), Schlehe (Prunus spinosa), Wildrosen (Rosa), Berberitze (Berberis vulgaris), Spitz-Ahorn (Acer platanoides), Feld-Ahorn (Acer campestre) und Weiden (Salix).

Blumenwiesen:

Blumenwiesen sind artenreiche, ertragsarme Mähwiesen mit hohem Kräuteranteil. Der Schnitt erfolgt zu einem Zeitpunkt, wenn möglichst viele erwünschte Pflanzen ihre Blütenbildung und Samenreife abgeschlossen haben. Als Standort bietet sich auch der Hausgarten an, sofern auf den oftmaligen Einsatz des Rasenmähers verzichtet wird. Das Mähgut darf nicht liegen bleiben, sondern sollte separat kompostiert werden. Die Entwicklung einer Blumenwiese braucht viele Jahre und hängt von den jeweiligen Standortbedingungen ab.

Pionierpflanzen:

Auf einem Rohbodengelände, z.B. nach dem Umgraben, siedeln sich schnell verschiedenen Pionierpflanzen an. Erfolgreicher ist aber die gezielte Einsaat von Samen bestimmter Ackerwildkräuter, falls spezifische Auflaufbedingungen berücksichtigt werden.

Wildstauden:

Wildstauden (ausdauernde Kräuter) lassen sich im Staudenbeet, im Steingarten, im Saum von Hecken oder am Tümpelrand gut eingliedern. Bei den im Handel erhältlichen Arten gibt es viele, die hervorragende Nahrungspflanzen für Wildbienen sind. Ein Teil der Fruchtstände sollte den Winter über stehen bleiben und erst im April zurückgeschnitten werden. Durch natürliche Versamung entstehen dadurch regelmäßig Jungpflanzen.



pädagogisch wertvoll:

Unser Wildbienenhotel wurde mit einer Lehrtafel "Insektenhotel - Brutplatz und Unterschlupf zum Wohlfühlen" ergänzt. Hier werden weitere Informationen zum Thema "Wildbienen" und "Brutplätze für Insekten" anschaulich dargeboten.

Aufgrund seiner einfachen Bauweise sind sie besonders im pädagogischen Bereich einsetzbar. Es eignet sich sehr gut zum Nachbauen mit Kinder- und Jugendgruppen und ermöglicht im Anschluß einen hautnahen Anschauungsunterricht. Die Kinder des Kaifenheimer Kindergartens gaben den Wildbienenhotels die Namen "Bienenschloss", "Bienenkästchen" und "Villa Summ Summ" und gestalteten hierzu jeweils eine Schiefertafel.

Wildbienenhotel


Interesante Links zum Projekt:
Lungauer Bienenlehrpfad - Nisthilfen, Wildbienenhotel & Wildbienenwand

Bienenhotel.de - Wildbienen, Nisthilfen, Bestäubung

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